Das Mauerblümchen und der Regenwurm

Das Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris) ist eine unscheinbare Pflanze. Wie bedeutsam sie ist, habe ich in Klepelshagen gelernt. Das ist das Gut der Deutschen Wildtierstiftung in Mecklenburg-Vorpommern. Es liegt in den Brohmer Bergen. Dort wo es nichts gibt als eine großartige, eiszeitlich geprägte Landschaft und wo man mit Glück 88 Hirsche auf einen Schlag dabei beobachten …

Luise hat ein Geheimnis

  Luise spricht. Unsere Ente, die uns im vergangenen November zugeflogen ist. Als ihre Artgenossinnen in den Kochtopf wanderten, entfloh sie und landete auf dem Garagendach. Inzwischen ist sie handzahm und wartet morgens vor der Terrassentür auf ihre Ration Hühnerfutter. Maiskörner mag sie besonders gern. Mit der Futtertüte rascheln genügt und sie kommt fiepend angerannt, soweit man bei …

Vielflieger und Überlebenskünstler

Der Mai ist gekommen und auf meiner kleinen Wiese tut sich was. Die ersten Pflanzenrosetten zeigen sich, aber noch sind die meisten zu klein, um sie bestimmen zu können. Eine erkenne ich sofort: die Wiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare). Früher war sie eine häufige Wiesenblume, heute ist sie selten geworden, weil die intensive Landwirtschaft mit ihren hohen …

Auflaufender Blühaspekt

  Auflaufen. So nennen Landwirte es, wenn ihre Saat keimt. Wenn das Wetter mitspielt läuft sie gut auf. Meine auch. Zu den Grashälmchen gesellen sich zunehmend Blättchen. Manche zart und verästelt wie Miniaturgeweihe, Kamille vielleicht. Manche überragen fett und keck das Gras und erinnern vom Wuchs her an Kohl, andere versuchen, sich mit pelzigen Blättchen …

Wo die Welt noch in Ordnung ist

Mitte April in Brodowin. 400 Einwohner, eine Straße, eine Kirche, ein Storchennest, umgeben von Seen und sanft gewellten Hügeln. Weiter nach Osten geht’s in Deutschland kaum. In dem Ökodorf sind Landwirtschaft und Naturschutz kein Gegensatz. Gleich nach der Wende beschlossen die Brodowiner mit ihrer LPG – der Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft – auf Bio umzusteigen. Der Ornithologe Martin Flade …

Was keimt denn da?

Der Wind ist eisig und weht von Nord. Die Pflaume blüht, die Schlehe auch. „Schlehenkälte“, sagt mein Vater. „Kälten“ kennt er viele: Schafskälte, wenn die Schafe geschoren werden, Weißdornkälte, wenn der Weißdorn blüht. Die kommen alle noch. Trotzdem: Auf meiner kleinen Wiese tut sich was. Vor 14 Tagen haben wir gesät. Am nächsten Tag kam der …

Der Trick mit dem Sand

 

 

Anfang April. Es ist warm geworden, der Acker ist trocken, die „Klüten“ sind entfernt, endlich können wir säen. Aber wie verteilt man 5 Gramm Saat pro Quadratmeter gleichmäßig, eine Saat zudem, die aus großen bis winzig kleinen Körnern besteht? Ich erinnere mich, wie wir, als ich Kind war, Radieschen und Möhren gesät haben, nämlich mit Sand vermischt. Also kaufe ich eine Tüte feinsten Sandkistensand, 25 Kilo, keine Ahnung wie viel davon wir benötigen werden. Und ich holte mir Rat bei meinem Vater. Der hat schon das Ausharken überwacht, nun muss er den Sämann machen.

Letzte Vorbereitungen

Dienstag der 11. März. Der Gärtner kommt und in zwei Stunden ist alles fertig, was mich Tage gekostet hätte. Nun soll ich warten bis das Gras, das er umgefräst hat grau wird und trocken. Dann könne ich die Wurzeln besser ausharken, weil die Erde dann besser abfällt, sagt Herr Bolt. Oder er kommt, wenn es trocken bleibt noch einmal, und pflügt etwas tiefer. „Damit das Unkraut auch wirklich weg ist“, wie er sagt. Ich entscheide mich für letzteres. Und beschäftigte mich mit genauer der Saattüte und ihrem Inhalt.

Nass ist schlecht

Eine Frage des Bodens

Wer eine Wiese anlegen will, wird plötzlich mit Unmengen Fragen konfrontiert. Ist der Boden mager oder nährstoffreich? Denn magerer Boden braucht andere Saaten als fetter. Meinen Boden nennt der Berater des Saatgutunternehmens „hohe Geest mit Lehmauflagen“. Was in aller Welt sind „Lehmauflagen“? Außerdem wichtig: Ist der Standort sonnig oder halbschattig? Wiesen mögen keinen Schatten. Schattige Standort sind deshalb völlig ungeeignet, allenfalls „wandernde Schatten“ unter Bäumen sind erlaubt. Meine kleine Wiese liegt hinter einer hohen Hecke, die gen Osten zeigt. Ab Mittag bis zum Abend gibt es Sonne satt.

Fett ist schlecht, mager ist gut 

Anders als früher sind Böden heute meist sehr nährstoffreich. Gedüngt wird eher zu viel, als zu wenig, aber meine kleine Wiese mag das gar nicht, lerne ich. Dem lässt sich abhelfen. Man arbeitet Sand ein und magert den Boden so aus. Im schlimmsten Fall muss eine Schicht  von 7-8 cm Sand auf dem Gartenboden ausgebracht und eingefräst werden. Das ist mir zu aufwändig. Außerdem befindet sich meine kleine Wiese auf dem westlichen Geestrücken in Schleswig-Holstein und früher war hier Moor. So fett wie in der Marsch einige Kilometer weiter westlich wird mein Boden nicht sein, schätze ich.

Fräsen, pflügen, schuften

Und noch ein Problem stellt sich: Wo die Wiese hin soll befindet sich jetzt Rasen und das ist gar nicht gut. Das Saatbett muss „sauber“ und „gut abgesetzt“ sein, lerne ich. „Sauber“ heißt, kein Bewuchs, keine Wurzelreste, kein nix. „Gut abgesetzt“ heißt, die letzte tiefe Bodenbearbeitung muss mindestens einen Monat her sein. Wenn ich Anfang April säen will, muss ich also Anfang März den Boden vorbereiten. Aber Ende Februar regnet es fast ununterbrochen. Der erste Versuch, dennoch umzugraben endet nach einer Stunde, und ich habe fast nichts geschafft. Flucht zurück in die warme Stube und Anruf bei einem Gartenbauunternehmen. Können sie das übernehmen? Sie können und schlagen vor: Rasen abschälen und mitnehmen, dann pflügen, liegen lassen, auf Frost hoffen und ausfrieren lassen. Danach die Wurzeln ausharken und walzen. Aber erst muss der Regen nachlassen.