Den ganzen Sommer lang waren wir unserem Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus) jeden Tag aufs Neue dankbar. Auf der Terrasse und im Wintergarten konnten wir uns nur aushalten, weil seine breite Krone bis nach dem Mittag Schatten spendete. 50 Jahre ist er alt und mehr als haushoch. Nun beglückt er uns mit seinem Laub. Das meine ich wörtlich. Seine gelben Blätter leuchten am Baum und auf dem Rasen wie zackige Sonnen. 

Festmahl für das Bodenleben

Alle paar Tage kehre ich sie zusammen und packe sie auf die von Unkraut befreiten Blumenbeete. Für mich bedeutet das: Wieder ein Stück Garten winterfest! Für Blumenzwiebeln und Stauden ist das Laub wie eine warme Winterdecke, für die unzähligen Organismen über und im Boden ein monatelanges Festmahl. Bis zum Frühjahr werden sie die Blätter in kohlenstoffhaltigen Humus umgewandelt haben.

Die Laub-Masse-Rechnung

Im Netz habe ich eine Rechnung gefunden, wie viel Kilo Laub ein Baum im Herbst abwirft. Die Rechnung geht so: Die Blattfläche eines Baumes ist etwa 10 bis 20mal so groß wie die Bodenfläche über der sie gebildet wird. Bei unserem Ahorn mit seinem Kronendurchmesser von sieben Metern wäre das eine Blattfläche von 700 bis 1400 Quadratmetern. Trockene Blätter wiegen etwa so viel wie Papier, also 60 bis 80 Gramm pro Quadratmeter. Wären 36 bis 72 Kilo Blätter und Futter für ein gesundes Bodenleben in meinem Garten. Whow! Danke lieber Berg-Ahorn!

Über die Autorin

Susanne Dohrn lebt als Autorin und freie Journalistin in einem alten Garten in Schleswig-Holstein. 2017 erschien ihr Buch „Das Ende der Natur: Die Landwirtschaft und das stille Sterben vor unserer Haustür“ (Ch.Links Verlag, Taschenbuchausgabe 2018 im Herder Verlag), 2019 veröffentlichte sie „Der Boden: Bedrohter Helfer gegen den Klimawandel“ (Ch.Links Verlag). Im November 2020 erhielt das Buch den Salus-Medien-Sonderpreis, mit dem das Unternehmen "herausragende journalistische Beiträge ... zu Gentechnik, Ökologie und Umwelt" auszeichnet.

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