Ich habe ein neues Wort gelernt: „Wurzelkriechpionier“. Damit gemeint sind Pflanzen, die sich unterirdisch fortbewegen. Dazu gehören meine wilden Neubelgischen Astern (Symphyotrichum novi-belgii). Die Glattblatt-Astern stammen aus Nordamerika und kamen im 18. Jahrhundert als Gartenpflanze nach Deutschland. Die Pflanzen bilden torpedoartige Triebe, mit denen sie im Boden neue Besiedlungsgebiete rekognoszieren und an geeigneter Stelle grüne Triebe ans Tageslicht schicken. 

Gärtnerische Herausforderung

Neubelgische Astern blühen jetzt im Herbst – weiß oder zartlilablau. Ihr Ausbreitungsdrang ist bewundernswert und eine gärtnerische Herausforderung. Jedes Jahr versuche ich, den Pflanzen Einhalt zu gebieten, damit sie nicht zu weit in die Beete hineinwuchern. Jedes Jahr erobern sie sich den Platz zurück. Einen halben bis einen Meter schaffen sie easy zwischen Frühjahr und Herbst und scheuen auch vor Wegen und Rasenflächen nicht zurück. Selbst regelmäßiges Abmähen schränkt ihren Ausbreitungsdrang nicht ein. 

Rilkes Wetter-Wunsch

Ich mag sie vor allem, weil sie spät blühen und rasch mehrere Quadratmeter bedecken. In einem großen wilden Garten braucht man solche widerständen Pflanzen. Am besten kommen sie zur Geltung, wenn der Oktober lang, warm und sonnig ist. Mit Rainer Maria Rilke möchte man dem Wetter zurufen: „Gib ihnen noch zwei südlichere Tage.“ Nein, mindestens zwei Wochen, bis sie verblüht sind!

Über die Autorin

Susanne Dohrn lebt als Autorin und freie Journalistin in einem alten Garten in Schleswig-Holstein. 2017 erschien ihr Buch „Das Ende der Natur: Die Landwirtschaft und das stille Sterben vor unserer Haustür“ (Ch.Links Verlag, Taschenbuchausgabe 2018 im Herder Verlag), 2019 veröffentlichte sie „Der Boden: Bedrohter Helfer gegen den Klimawandel“ (Ch.Links Verlag). Im November 2020 erhielt das Buch den Salus-Medien-Sonderpreis, mit dem das Unternehmen "herausragende journalistische Beiträge ... zu Gentechnik, Ökologie und Umwelt" auszeichnet.

Vielleicht gefällt dir auch das: