Ab und zu verirrt sich das Schmalblättrige Weidenröschen (Epilobium angustifoliu) in meinen Garten. Früher habe ich es als „Unkraut“ ausgerupft, heute lasse sich es stehen und freue mich an seinen rosafarbenen Kerzen. Offensichtlich bin ich nicht die Einzige, die ihr Herz für die Wildpflanze entdeckt hat. Einige Pflanzenversender haben das Schmalblättrige Weidenröschen in ihr Angebot aufgenommen. 

Zarte rosa Kerzen

Die Staude blüht von Juli bis August, manchmal bis in den September hinein und wird einen halben bis gut einen Meter hoch. Die Blüten öffnen sich von unten nach oben, so dass im Spätsommer Blüten und Samen an einer Pflanze zu finden sind. Die Samen sind sehr klein und leicht. Sie hängen an langen schneeweißen Flughaaren, die in der Sonne seidig schimmern.

Von Bienen und Hummeln belagert

Das Schmalblättrige Weidenröschen ist ein Gigant der Samenproduktion. Eine Pflanze kann bis 100 000 (!) produzieren, die der Wind bis zehn Kilometer weit davon trägt. Die Blüten werden ständig von Bienen und Hummeln belagert, die dafür sorgen, dass auch wirklich jede Blüte befruchtet wird. Man muss also auf die Pflanze acht geben, damit sie sich im Garten nicht zu stark vermehrt. Sonst nimmt die Wildnis überhand, denn nicht alle Samen fliegen zehn Kilometer. 

Über die Autorin

Susanne Dohrn lebt als Autorin und freie Journalistin in einem alten Garten in Schleswig-Holstein. 2017 erschien ihr Buch „Das Ende der Natur: Die Landwirtschaft und das stille Sterben vor unserer Haustür“ (Ch.Links Verlag, Taschenbuchausgabe 2018 im Herder Verlag), 2019 veröffentlichte sie „Der Boden: Bedrohter Helfer gegen den Klimawandel“ (Ch.Links Verlag). Im November 2020 erhielt das Buch den Salus-Medien-Sonderpreis, mit dem das Unternehmen "herausragende journalistische Beiträge ... zu Gentechnik, Ökologie und Umwelt" auszeichnet.

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