In der Natur wird alles wieder verwertet, auch ein abgestorbener Baum. Allerdings bekommt man die daran Beteiligten nur selten zu Gesicht. Sie leben im Verborgenen, unter der Rinde oder tief drinnen im Holz. Dieser weiße Kleks hat sich herausgetraut. Er hat etwa zehn Zentimeter Durchmesser und war zunächst schneeweiß. Mit seiner blumenkohlartigen Oberfläche sah er sogar zunächst ganz hübsch aus, dann wurde seine Oberfläche glatt und glänzend, zum Schluss von Rand her braun.
Wer bist du?
Die Nachfrage in einem Pilzforum ergab: Es handelt sich um den Fruchtkörper eines Stäublings-Schleimpilzes (Enteridium lycoperdon, Syn.: Reticularia lycoperdon), der dabei ist, unsere seit Jahren abgestorbene Tanne zu zersetzen. Man könnte auch sagen: Er frisst sie auf. Wobei die Bezeichnung Pilz nicht ganz zutrifft. Schleimpilze, von denen es etwa 1000 Arten gibt, bilden eine eigene Gruppe. Sie sind weder Pflanzen, Tiere noch Pilze.
Schlauer Einzeller
Schleimpilze haben ganz besondere Eigenschaften. Einer, „the blob“ genannt, „der Klecks“, bewies in Versuchen, dass er auf der Suche nach leckeren Haferflocken den kürzesten Weg durch ein Labyrinth finden kann. Der Einzeller mit dem Namen Physarum polycephalum erkundet seine Umwelt, entscheidet in welche Richtung er weiterwächst und kann sich sogar an seine Wege erinnern. So schlau ist meiner vermutlich nicht. Aber seine Schleimspur an der toten Tanne zeigt: Den Ort, um seine Sporen zu verteilen, hat er sich gezielt ausgesucht.