Zum Pflücken ist unser Danziger Kantapfel zu hoch geworden. Wir schaffen es nicht, alle Äste abzuernten. Das macht nichts, denn in diesen Tagen fallen sie ohnehin herab. Leuchtend rot liegen sie im Gras, und wenn ich sie nicht schnell genug aufsammele, haben die Amseln sie schon angepickt. Die alte Apfelsorte wurde 1703 auf Rügen das erste Mal erwähnt, und sie schmeckt auch den Gartenvögeln vorzüglich.

Zartrosa geädert

Bekommen die Äpfel viel Sonne, wie in diesem Jahr, wird ihre Schale leuchtend rot und schimmert unter der natürlichen Wachsschicht schöner als jeder rote Modeapfel. Der Danziger Kantapfel hält sich bis etwa Weihnachten. Dann wird er mehlig. Wir müssen ihn also zügig essen. Am leckersten ist er in Form von frisch gepresstem Apfelsaft. Weil das Fleisch zartrosa geädert ist und die Schalen mit in den Entsafter kommen, ist der Saft lachsrot.

Konzentrierte Gesundheit

„An apple a day keeps the doctor away“, heißt es in England. Ein Apfel pro Tag hält gesund. Äpfel enthalten Kalium, das den Blutdruck senkt, Kalzium für gesunde Knochen, Magnesium für die Kommunikation zwischen den Nervenzellen sowie zwischen Nerven- und Muskelzellen. Die B-Vitamine unterstützen den Körper bei der Energiegewinnung und Vitamin E schützt vor freien Radikalen. Außerdem enthalten Äpfel ganz viel Vitamin C.  Kurz: Ein Apfel am Tag hält gesund. Ganz besonders gilt das für historische Apfelsorten wie unseren Danziger Kantapfel.

Über die Autorin

Susanne Dohrn lebt als Autorin und freie Journalistin in einem alten Garten in Schleswig-Holstein. 2017 erschien ihr Buch „Das Ende der Natur: Die Landwirtschaft und das stille Sterben vor unserer Haustür“ (Ch.Links Verlag, Taschenbuchausgabe 2018 im Herder Verlag), 2019 veröffentlichte sie „Der Boden: Bedrohter Helfer gegen den Klimawandel“ (Ch.Links Verlag). Im November 2020 erhielt das Buch den Salus-Medien-Sonderpreis, mit dem das Unternehmen "herausragende journalistische Beiträge ... zu Gentechnik, Ökologie und Umwelt" auszeichnet.

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