Beim letzten Mal Rasenmähen vor einigen Wochen habe ich Blätter entdeckt, die auf dem Rasen vor dem Haus nichts zu suchen haben. Sie stammen von einem Alpenveilchen, das sich dort selbst ausgesät haben muss. Der Form der Blätter nach handelt es sich um das Vorfrühlings- Alpenveilchen (Cyclamen coum). Vermutlich ist ein Nachkomme von Zyklamen, die vor vielen Jahren unter einer Zeder wuchsen, die der Orkan Christian im Oktober 2013 hinweggefegt hat.

Wild gewordener Nachwuchs 

In der freien Natur wächst das Vorfrühlings- Alpenveilchen im Kaukasus und auf der Krim, in den Bergen Armeniens und bis ins nördliche Israel. Sein bevorzugtes Siedlungsgebiet sind Buschland und Wälder – egal ob Laub-, Nadel- oder Mischwälder. Vermutlich hat sich der kleine Wildling unter der Zeder so wohl gefühlt, dass er Samen gebildet hat. Frost soll diesem wilden Alpenveilchen nichts ausmachen. Es ist sehr winterhart.

Blüte ab Januar

Da die Blätter meiner Pflanze schon fingerlang sind, muss sie mindestens im zweiten Jahr auf dem Rasen wachsen. Im ersten Jahr bildet das Vorfrühlings-Alpenveilchen nur ein einzelnes 5mm großes Blatt, das den Winter überdauert. Das habe ich vermutlich beim Rasenmähen übersehen. Nicht zu übersehen hingegen sind die pinkfarbenen Blüten, von denen die ersten sich mit Glück schon im Januar zeigen. Ich werde meine kleine Zyklame im Auge behalten.

Über die Autorin

Susanne Dohrn lebt als Autorin und freie Journalistin in einem alten Garten in Schleswig-Holstein. 2017 erschien ihr Buch „Das Ende der Natur: Die Landwirtschaft und das stille Sterben vor unserer Haustür“ (Ch.Links Verlag, Taschenbuchausgabe 2018 im Herder Verlag), 2019 veröffentlichte sie „Der Boden: Bedrohter Helfer gegen den Klimawandel“ (Ch.Links Verlag). Im November 2020 erhielt das Buch den Salus-Medien-Sonderpreis, mit dem das Unternehmen "herausragende journalistische Beiträge ... zu Gentechnik, Ökologie und Umwelt" auszeichnet.

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