Der Apfelbaum-Veteran im Garten trägt und trägt. Seine Früchte haben auf Sonnenseite rote Backen. Der Baum ist so hoch und dicht, dass wir die Äpfel nicht ernten können. Bei gut beschnittenen Apfelbäumen soll man einen Hut durch die Zweige hindurch werfen können, sagt unser Pomologe, der jeden Winter die Bäume schneidet. Bei dem alten Baum ist er vorsichtig. Jeder Schnitt ist eine Verletzung. Deshalb will er ihn nicht zu stark beschneiden.

Süß schmeckt immer

Das Ergebnis der „mangelnden“ Pflege ist eine Flut von leckeren Früchten, die sich ab Mitte/Ende November auf das weiche Moosbett unter dem Baum ergießt. Jeden Tag sammele ich sie ein, aber oft sind die Vögel – zumeist Amseln – schneller. Sie stehen früher auf. Wenn ich noch am Kaffeetisch sitze, haben sie schon fertig gefrühstückt.

Leckerbissen mit roten Backen

Das Ergebnis sehe ich beim Sammeln. Viele Früchte sind nicht nur angepickt, sondern bis auf die Schale ausgefressen. Die mit den roten Bäckchen schmecken den Vögeln am besten, die grünen lassen sie liegen. Die roten Äpfel sind auch die süßesten. Zucker ist ein guter Energielieferant, und auf genau den scheinen es die Gartenvögel abgesehen zu haben. 

Über die Autorin

Susanne Dohrn lebt als Autorin und freie Journalistin in einem alten Garten in Schleswig-Holstein. 2017 erschien ihr Buch „Das Ende der Natur: Die Landwirtschaft und das stille Sterben vor unserer Haustür“ (Ch.Links Verlag, Taschenbuchausgabe 2018 im Herder Verlag), 2019 veröffentlichte sie „Der Boden: Bedrohter Helfer gegen den Klimawandel“ (Ch.Links Verlag). Im November 2020 erhielt das Buch den Salus-Medien-Sonderpreis, mit dem das Unternehmen "herausragende journalistische Beiträge ... zu Gentechnik, Ökologie und Umwelt" auszeichnet.

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