Warum wird die bei dir so groß? Bei mir bleibt sie ganz klein… Tja, ich bin halt die bessere Gärtnerin, könne ich jetzt sagen. Aber Hochmut kommt vor dem Fall, ganz besonders beim Thema Garten, wo so vieles von Zufällen abhängt. Welche Boden habe ich? Wie oft regnet es, wie viel? Liegt mein Garten Richtung Süden oder Richtung Norden, hat er viel Sonne oder viel Schatten? Die Chinesische Wiesenraute (Thalictrum delavayi), benannt nach ihrem Entdecker Pierre Jean Marie Delavay (1834–1895), steht im lichten Schatten vor meiner Haustür. Bis 1,80 Meter hoch sollen die Pflanzen werden. Meine schätze ich auf 2,20 Meter.

Die Briten nennen die mehrjährige Staude Lavender-Mist, Lavendel-Nebel. Sie blüht von Juli bis September.

Anfangs hatte ich drei Chinesische Wiesenrauten. Auch für sie hatte ich extra schöne, halbschattige Plätze ausgesucht. Die beiden anderen krepelten vor sich hin. Ich glaube, es liegt es daran, dass der Platz vor meiner Haustür extra-Pflege ermöglicht. Regelmäßig gieße ich die Wiesenraute mit Wasser und Kaffeedick aus unserer French Press. Ich bilde mir ein, dass das mein Zaubertrick ist. Auf den könnte ich sogar ein ganz klein wenig stolz sein

Die Chinesische Wiesenraute blüht bis in den September hinein und bildet im Laufe der Wochen viele hundert Blüten.

Über die Autorin

Susanne Dohrn lebt als Autorin und freie Journalistin in einem alten Garten in Schleswig-Holstein. 2017 erschien ihr Buch „Das Ende der Natur: Die Landwirtschaft und das stille Sterben vor unserer Haustür“ (Ch.Links Verlag, Taschenbuchausgabe 2018 im Herder Verlag), 2019 veröffentlichte sie „Der Boden: Bedrohter Helfer gegen den Klimawandel“ (Ch.Links Verlag). Im November 2020 erhielt das Buch den Salus-Medien-Sonderpreis, mit dem das Unternehmen "herausragende journalistische Beiträge ... zu Gentechnik, Ökologie und Umwelt" auszeichnet.