Noch ist es warm, aber die Pflanzen leiten schon den Herbst ein. Das gilt auch für den Queller auf dem Deichvorland von Westerhever in Eiderstedt. Aus der Nähe betrachtet sieht er aus, wie ein urzeitliches Bäumchen. Er ist aber eine einjährige Salzpflanze, weshalb er lateinisch Salicornia europaea heißt. Mit ihren Wurzeln hilft er, den Schlick des Wattenmeeres zu befestigen.

Die Anti-Osmose

Salz wirkt osmotisch. Es zieht Wasser an. Für eine Pflanze, die auf salzigem Grund wachsen will, ist das ein Problem. Schließlich muss sie sich zum Überleben mit Wasser versorgen. Der Queller nutzt dazu einen Trick: Er reichert sich selbst mit Salzionen an. Er betreibt also selbst Osmose und überlistet so die Saugkraft des Salzbodens. Er ist außerdem die einzige Salzwiesenpflanze, die ohne Salz nicht überleben kann.

Roh oder gedünstet

Den Queller kann man essen, roh als Salat oder gedünstet. Er schmeckt leicht salzig und ist reich an Mineralstoffen. Andere Namen für den Europäischen Queller sind auch Meeresspargel oder Glasschmelz. Früher benutzte man die Asche der Pflanze nämlich, um Soda zuzubereiten und das brauchte man für das Schmelzen von Glas.

 

Über die Autorin

Susanne Dohrn lebt als Autorin und freie Journalistin in einem alten Garten in Schleswig-Holstein. 2017 erschien ihr Buch „Das Ende der Natur: Die Landwirtschaft und das stille Sterben vor unserer Haustür“ (Ch.Links Verlag, Taschenbuchausgabe 2018 im Herder Verlag), 2019 veröffentlichte sie „Der Boden: Bedrohter Helfer gegen den Klimawandel“ (Ch.Links Verlag). Im November 2020 erhielt das Buch den Salus-Medien-Sonderpreis, mit dem das Unternehmen "herausragende journalistische Beiträge ... zu Gentechnik, Ökologie und Umwelt" auszeichnet.

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