Manche Pflanzennamen sollte man nicht wörtlich nehmen. Der des Zimmerknoblauchs (Tulbaghia violacea) gehört dazu. Die Pflanze müffelt nach einer Mischung aus Lauch und Raubtier. Bei mir wächst er in sicherem Abstand auf der Terrasse. Sobald ich das Badezimmerfenster öffne, das um die Ecke liegt, riecht auch das Bad nach Raubtier. Das ist die eine Seite.

Essbare Blüten und Blätter

Die andere Seite ist: Alles an dieser Pflanze ist essbar. Für Gäste opfere ich manchmal ein paar Blüten und dekoriere damit den Salat. Auch die Blätter kann man essen und soll danach nicht nach Knoblauch riechen, was man selbst schwer beurteilen kann. Die Engländer, die die Pflanze in Südafrika entdeckten, nannten sie „society garlic“ – gesellschaftsfähiger Knoblauch.

Geschützt überwintern

Die Pflanze verträgt leichten Frost, aber unsere Winter sind nicht wirklich vorhersehbar. Also stelle ich ihn eingewickelt in ein Vlies in einen kühlen aber frostfreien Raum hinter der Garage. Dort müffelt er den Winter über vor sich hin, während die grünen Blätter abtrocknen. Im Frühjahr stelle ich ihn wieder in den Garten.

Testlauf im Garten

Ich habe die Pflanze bei einem Besuch einer Biogärtnerei in Ostholstein entdeckt und erworben. Wenn ich ihn umtopfe und teile, werde ich einen Teil in den Garten setzen, mit viel Laub bedecken und hoffen, dass er auch dort über den Winter kommt.

Über die Autorin

Susanne Dohrn lebt als Autorin und freie Journalistin in einem alten Garten in Schleswig-Holstein. 2017 erschien ihr Buch „Das Ende der Natur: Die Landwirtschaft und das stille Sterben vor unserer Haustür“ (Ch.Links Verlag, Taschenbuchausgabe 2018 im Herder Verlag), 2019 veröffentlichte sie „Der Boden: Bedrohter Helfer gegen den Klimawandel“ (Ch.Links Verlag). Im November 2020 erhielt das Buch den Salus-Medien-Sonderpreis, mit dem das Unternehmen "herausragende journalistische Beiträge ... zu Gentechnik, Ökologie und Umwelt" auszeichnet.

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