Ein stattgrüner, vom Rasenroboter gepflegter Rasen ist tot: für das Auge und für die Vielfalt. Wie viel schöner ist ein Rasen, auf dem es blüht, zum Beispiel die Wiesen-Margeriten (Leucanthemum vulgare) vor unserem Haus und in der Nachbarschaft. Sie haben sich irgendwann angesiedelt und sie werden immer mehr, weil ich sie verblühen lasse, bevor ich sie mähe. Mit der Saat, die ausfällt, vermehren sie sich von Jahr zu Jahr.

Weißklee ist köstlicher Treibstoff

Auch der Weißklee (Trifolium repens) auf dem Rasen ist ein Biotop. Gerade habe ich (vermutlich ) eine Steinhummel (Bombus lapidarius) erwischt: samtschwarzer Körper und rostbraune Spitze am Hinterleib. Beladen mit dicken Pollenhöschen fliegt sie von Pflanze zu Pflanze, um für sich selbst den köstlichen Treibstoff der Blüten einzuheimsen. Nektar ins Kröpfchen , Pollen ins Töpfchen, bzw. für den Hummelnachwuchs, so sieht ein sonniger Hummelnachmittag aus.

Steinhaufen im Garten

Steinhummeln bauen ihre Nester unter Mauern und Steinhaufen. Von denen haben wir einige aus alten Ziegelsteinen angelegt, die vom Hausbau im 19. Jahrhundert und von einem abgerissenen Stall übrig geblieben sind. Übrigens: Wildwuchs spart Arbeit: Einen Rasen mit Wiesen-Margeriten muss man im Sommer viele Wochen lang nicht mähen. Schönheit spart also auch noch Zeit. Wo gibt es das sonst? 

Über die Autorin

Susanne Dohrn lebt als Autorin und freie Journalistin in einem alten Garten in Schleswig-Holstein. 2017 erschien ihr Buch „Das Ende der Natur: Die Landwirtschaft und das stille Sterben vor unserer Haustür“ (Ch.Links Verlag, Taschenbuchausgabe 2018 im Herder Verlag), 2019 veröffentlichte sie „Der Boden: Bedrohter Helfer gegen den Klimawandel“ (Ch.Links Verlag). Im November 2020 erhielt das Buch den Salus-Medien-Sonderpreis, mit dem das Unternehmen "herausragende journalistische Beiträge ... zu Gentechnik, Ökologie und Umwelt" auszeichnet.

Vielleicht gefällt dir auch das: