Wo bis vor 14 Tagen noch ein leeres Beet war, blüht es plötzlich über und über. Die Herbstzeitlosen (Colchicum autumnale) haben ihre Sommerpause beendet, die sie versteckt im Boden verbracht haben. Plötzlich sind die filigranen Schönheiten da, mit bis zu fünf Blüten pro Zwiebel. Doch die herbstliche Pracht hat ihrer Preis. Die Pflanzen, egal ob Blüten, Blätter oder Zwiebeln, sind giftig. Der höchste Giftgehalt findet sich in den Blüten. Also Finger weg und sich am Anblick erfreuen.  

Vergkehrter Lebenszyklus

Im späten Frühjahr sprießen die Blätter der Herbstzeitlose ganz normal. Im Sommer, wenn andere Pflanzen zur Hochform auflaufen, trocknen ihre Blätter ein, die Pflanzen verschwinden im Boden und das Beet, auf dem sie stehen, sieht trostlos aus. Typisch für Herbstzeitlosen ist, dass man Blätter und Blüten nie gleichzeitig sieht. Der Botaniker, Arzt und Prediger Hieronymus Bock (1498-1554) nannte die Pflanze deshalb wenig schmeichelhaft „nacket huren, dieweil sie on kleider oder on Kraut erscheinen“. 

Heimisch und bei Landwirten ungeliebt

Herbstzeitlosen sind heimische Wildpflanzen, die einst auf feuchten Wiesen wuchsen, die extensiv bewirtschaftet wurden. Der Unmut des alten Botanikers rührt vermutlich auch daher, dass die Zwiebelpflanze auch für meisten Weidetiere giftig ist. Deshalb sieht man sie in der Natur nur noch sehr, sehr selten. 

Über die Autorin

Susanne Dohrn lebt als Autorin und freie Journalistin in einem alten Garten in Schleswig-Holstein. 2017 erschien ihr Buch „Das Ende der Natur: Die Landwirtschaft und das stille Sterben vor unserer Haustür“ (Ch.Links Verlag, Taschenbuchausgabe 2018 im Herder Verlag), 2019 veröffentlichte sie „Der Boden: Bedrohter Helfer gegen den Klimawandel“ (Ch.Links Verlag). Im November 2020 erhielt das Buch den Salus-Medien-Sonderpreis, mit dem das Unternehmen "herausragende journalistische Beiträge ... zu Gentechnik, Ökologie und Umwelt" auszeichnet.

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