Als die Wiesen-Glockenblume (Campanula patula) noch an den Wegrainen vor meiner Haustür wuchs, war meine Stadt ein Dorf und die Landwirtschaft eher extensiv. Schon damals hat mich in diese zarte Glockenblume fasziniert und ich habe versucht, sie im Garten anzusiedeln. Hat nie geklappt. Sie ist keine Gartenpflanze. Aus der Feldmark rund um meine Stadt ist die Pflanze inzwischen verschwunden. Bei einem Ausflug nach Munkwolstrup unweit von Flensburg habe ich sie wiederentdeckt. 

Miniatur-Glocken

Die Wiesen-Glockenblume wächst auf einem 75 Meter langen Großsteingrab, das mehr als 5000 Jahre alt ist (siehe mein Blog von gestern). Campanula heißt „kleine Glocke“. Das passt, denn die Miniatur-Glocken sind nur ein bis zwei Zentimeter groß. In meinem alten Kosmos-Pflanzenführer „Was blüht denn da?“ aus dem Jahr 1965 steht, dass die Pflanze häufig auf feuchten Wiesen, Waldlichtungen vorkommt. Das war einmal.

Mais statt Magerwiese

Auf den mäßig ertragreichen Standorten, wo die Pflanze früher wuchs, werden heute Mais oder Futtergräser angebaut, wird gedüngt und, wenn es sich um Grünland handelt, mehrfach gemäht. Damit ist das Schicksal der Wiesen-Glockenblume besiegelt. Auf dem Grabhügel und der Wiese, auf dem er steht, kann man sie noch bewundern.

Über die Autorin

Susanne Dohrn lebt als Autorin und freie Journalistin in einem alten Garten in Schleswig-Holstein. 2017 erschien ihr Buch „Das Ende der Natur: Die Landwirtschaft und das stille Sterben vor unserer Haustür“ (Ch.Links Verlag, Taschenbuchausgabe 2018 im Herder Verlag), 2019 veröffentlichte sie „Der Boden: Bedrohter Helfer gegen den Klimawandel“ (Ch.Links Verlag). Im November 2020 erhielt das Buch den Salus-Medien-Sonderpreis, mit dem das Unternehmen "herausragende journalistische Beiträge ... zu Gentechnik, Ökologie und Umwelt" auszeichnet.

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