Vor ein paar Jahren haben wir diesen hübschen Frühlingsgast im Garten ausgesät – ganz weit hinten, dort wo Wildnis erlaubt ist, dort, wo wir eine bunte Wiese angelegt haben. Was ich damals nicht wusste: Pflanzen können wandern. Manche machen es mit Ausläufern, wie der Kriechende Günsel in meinem letzten Blog. Andere können fliegen, wie die Löwenzahnsamen, die derzeit millionenfach unterwegs sind. Das Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensins) kann das alles nicht. Es schleudert seine Samen in die Umgebung.

IMG_9026
Auf Wiesen ist das Wiesenschaumkraut mittlerweile selten geworden. Zum Glück fühlt es sich in meinem Garten wohl.

Ein Diskobolos, wie der berühmte antike Diskuswerfer heißt, ist mein Wiesen-Schaumkraut allerdings nicht. Dafür die meine Wiese zu weit entfernt von meinem Blumengarten am Haus. Es muss andere Wander-Wege gefunden haben. Ameisen als Transporteure scheiden beim Wiesen-Schaumkraut angeblich aus. Bliebe unser Kompost, auf dem auch das Heu der Wiese landet. Aber Heu machen wir erst, wenn die Samen ausgefallen sind. Die Natur in meinem Garten steckt immer noch voller Rätsel. Das liebe ich an ihm.

Über die Autorin

Susanne Dohrn lebt als Autorin und freie Journalistin in einem alten Garten in Schleswig-Holstein. 2017 erschien ihr Buch „Das Ende der Natur: Die Landwirtschaft und das stille Sterben vor unserer Haustür“ (Ch.Links Verlag, Taschenbuchausgabe 2018 im Herder Verlag), 2019 veröffentlichte sie „Der Boden: Bedrohter Helfer gegen den Klimawandel“ (Ch.Links Verlag). Im November 2020 erhielt das Buch den Salus-Medien-Sonderpreis, mit dem das Unternehmen "herausragende journalistische Beiträge ... zu Gentechnik, Ökologie und Umwelt" auszeichnet.