Gärten erzählen Geschichten. Die Pflanzen, die in ihnen wachsen, stehen schließlich nicht zufällig da. Sie wurden ausgewählt: mit Nachbarinnen getauscht, im Pflanzenkatalog bestellt, im Gartencenter gekauft oder in der Natur ausgebuddelt. Manche dieser Geschichten reichen weit zurück in die Vergangenheit. Daran muss ich denken, wenn ich irgendwo auf einer Brache oder am Wegesrand auberginefarbige Blüten mit dunklem Auge entdecke. Sie sind Zeugen einer Zeit, als in den Gärten noch Mohn angebaut wurde, z.B. für Mohnkuchen. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Anbau von „Backmohn“ verboten, denn dabei handelt es sich um die gemahlenen Samen des Blau– oder Schlafmohns (Papaverum somniferum).

Die Mohn-Samen haben Jahrzehnte im Boden geschlafen. Sie können nicht „wissen“, dass sie heutzutage nicht mehr keimen dürfen. In diesem Jahr entdeckte ich ein paar Pflanzen auf einer Brache in meiner Stadt. Ein Haus wurde abgerissen, der Boden umgewühlt, die Samen kamen ans Tageslicht, die Pflanzen wuchsen heran, blühten und verstreuten ihre Samen. Sollten bei den nun folgenden Bauarbeiten ein paar dieser Mohnsamen ganz zufällig an der Oberfläche landen, würden die Pflanzen im nächsten Jahr wieder blühen – verbotenerweise.
