Blüht weiß-gelb wie Kamille, duftet fast wie Kamille, ist ein Heilkraut wie die Kamille, ist aber keine Kamille: das Mutterkraut (Tanacetum parthenium). Es blüht ab Ende Juni, also dann, wenn die Haupt-Blütenpracht im Garten nachlässt. Für meinen wilden, naturnahen Garten ist das Mutterkraut perfekt. Es sät sich leicht aus, und man kann die kleinen Pflänzchen, die im Frühjahr keimen, gut umsetzen. Eine gefüllte Variante hat sich neuerdings neben einem Gartenweg angesiedelt und bildet zusammen mit der Pfirsichblättrigen Glockenblume einen tollen Kontrast.

Sonnig aber feucht

Das Mutterkraut mag es gerne sonnig, aber der Boden sollte ein wenig feucht sein. Ich lasse die Pflanzen jedes Jahr Saat bilden, damit ich im kommenden Jahr Nachwuchs erhalte, denn nicht immer überleben die Pflanzen den Winter. Das Mutterkraut stammt ursprünglich aus dem östlichen Mittelmeer, sodass es zwar Frost erträgt, aber zu kalt darf es nicht werden. Den Samen hingegen macht der Frost nichts aus.

Vielseitige Heilpflanze

Verbreitet ist das Mutterkraut bei uns seit dem frühen Mittelalter. Wahrscheinlich haben Händler, Nonnen, Mönche und Ärzte dazu beigetragen, es zu verbreiten, denn das Mutterkraut ist eine alte Arzneipflanze. Hildegard von Bingen empfahl des bei Frauenleiden, in der Geburtsheilkunde, bei Verdauungsbeschwerden, Kopfschmerzen, Rheuma. Im Englischen heißt die Pflanze „feverfew“, weil sie das Fieber senken soll. Ein sehr malerischer Name, wie ich finde.

Über die Autorin

Susanne Dohrn lebt als Autorin und freie Journalistin in einem alten Garten in Schleswig-Holstein. 2017 erschien ihr Buch „Das Ende der Natur: Die Landwirtschaft und das stille Sterben vor unserer Haustür“ (Ch.Links Verlag, Taschenbuchausgabe 2018 im Herder Verlag), 2019 veröffentlichte sie „Der Boden: Bedrohter Helfer gegen den Klimawandel“ (Ch.Links Verlag). Im November 2020 erhielt das Buch den Salus-Medien-Sonderpreis, mit dem das Unternehmen "herausragende journalistische Beiträge ... zu Gentechnik, Ökologie und Umwelt" auszeichnet.

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