Mein Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis) ist schon lange verblüht, aber immer noch produziert er fast täglich seine Fallschirm-Kugeln (Foto oben). An den durchscheinenden Schirmen hängen die einen Zentimeter langen Samen. Der Wind trägt sie in Nachbarschaft, wo sie hoffentlich auf wohlwollende Gärtnerinnen treffen, die die Keimlinge in Herbst und Frühjahr nicht für Unkraut halten. Ich liebe es zu beobachten, wie die spitzen Fruchtstände sich nach und nach zu einer Kugel formen.

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Der erste Samen öffnet seinen Fallschirm. Bis er mit den anderen davonfliegt, dauert es Stunden.

Der Ablauf ist immer gleich. Bei trockenem Wetter öffnen sich morgens als erstes die acht spitzen Hüllblätter. Sie umschließen die im Fruchtstand eng zusammenliegenden Samen und Schirmchen. Dann klappen die Samen einer nach dem anderen nach außen, und schaffen Platz für die geöffneten Fallschirme.

Ziel ungewiss: In wenigen Stunden sind meine Wiesen-Bocksbärte bereit zum Abflug.

Im Laufe des Tages trocknen die zunächst noch feuchten Samen der Fallschirm-Kugel und verlieren an Gewicht. Wenn dann nachmittags der Wind sie erfasst, fliegen sie davon. Damit nicht alle in Nachbars Garten landen, habe ich einige eingesammelt. Ich werde sie auf meine kleinen Wiese aussäen, aber vorher nehme ich ihnen die Fallschirme weg.

Über die Autorin

Susanne Dohrn lebt als Autorin und freie Journalistin in einem alten Garten in Schleswig-Holstein. 2017 erschien ihr Buch „Das Ende der Natur: Die Landwirtschaft und das stille Sterben vor unserer Haustür“ (Ch.Links Verlag, Taschenbuchausgabe 2018 im Herder Verlag), 2019 veröffentlichte sie „Der Boden: Bedrohter Helfer gegen den Klimawandel“ (Ch.Links Verlag). Im November 2020 erhielt das Buch den Salus-Medien-Sonderpreis, mit dem das Unternehmen "herausragende journalistische Beiträge ... zu Gentechnik, Ökologie und Umwelt" auszeichnet.