„Dies ist der Herbst: der – der bricht dir noch das Herz!“ An diese Zeilen von Friedrich Nietzsche muss ich denken, wenn die Herbstzeitlosen (Colchicum autumnale) blühen. In diesem Jahr waren sie früh dran. Schon im August wagten sich die ersten Blüten aus dem Boden, noch spärlich zwar, denn es war immer noch heiß und trocken.

Die ersten Herbstzeitlosen blühten in diesem Jahr schon im August.

Dann nach dem ersten Regenguss zeigten sich immer mehr. Nun steht das Stück Garten, auf dem sie wachsen, wie in jedem Jahr, in voller Blüte. Herbstzeitlosen sind giftig, ich weiß. Man sollte sie von Kindern fern halten. Ich weiß. Auch von Vieh. Das haben wir zum Glück nicht im Garten. Ich vermute dass die Rehe, die ab und zu durch unseren Garten schlendern, ebenfalls wissen, dass Herbstzeitlosen giftig sind.

Nachdem der erste Regen gefallen ist, ist das Beet auf dem sie wachsen, mit ihren Blüten übersät.

Im September werden die Tage spürbar kürzer. Die meisten Gartenpflanzen bereiten sich auf den Winter vor. Die Herbstzeitlosen machen eine Ausnahme. Sie sind mir deshalb sehr willkommen. Sie sorgen dafür, dass der Herbst mir doch nicht das Herz bricht.

Über die Autorin

Susanne Dohrn lebt als Autorin und freie Journalistin in einem alten Garten in Schleswig-Holstein. 2017 erschien ihr Buch „Das Ende der Natur: Die Landwirtschaft und das stille Sterben vor unserer Haustür“ (Ch.Links Verlag, Taschenbuchausgabe 2018 im Herder Verlag), 2019 veröffentlichte sie „Der Boden: Bedrohter Helfer gegen den Klimawandel“ (Ch.Links Verlag). Im November 2020 erhielt das Buch den Salus-Medien-Sonderpreis, mit dem das Unternehmen "herausragende journalistische Beiträge ... zu Gentechnik, Ökologie und Umwelt" auszeichnet.