Wo neu gebaut wird, verschwindet der Garten und seine Pflanzen landen auf dem Müll. Gestern habe ich welche gerettet. Die Perl- oder Traubenhyazinthen (Muscari, Foto oben) hatten sich fast vollständig in den Boden zurückgezogen, aber ihre Samenstände sind noch sichtbar und die rabenschwarzen Samen fast reif. Ich habe eine Tüte eine kleine Schaufel mit zur Baustelle genommen und zumindest einen Teil der Zwiebeln ausgebuddelt. Seit heute leben sie in meinem Garten, verteilt auf mehrere Beete. Mal schauen, wo es ihnen nach dem Umzug am besten gefällt.

Perlyazinthen bilden nicht nur Samen sondern auch Tochterzwiebeln.

Mein literarisches Vorbild ist Meir Shalev. In seinem wunderbaren Buch Mein Wildgarten beschreibt er, wie er in Isreal dort, wo Autobahnen gebaut werden, zuweilen seltene Wildpflanzen rettet, um sie in seinem Garten wieder einzupflanzen. Solange sein Garten existiert, können sie dort weiterleben. So soll es auch in meinem Garten sein.

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Perlhyazinthen blühen Mitte April ,zwei Monate später sind die Samen reif.

Über die Autorin

Susanne Dohrn lebt als Autorin und freie Journalistin in einem alten Garten in Schleswig-Holstein. 2017 erschien ihr Buch „Das Ende der Natur: Die Landwirtschaft und das stille Sterben vor unserer Haustür“ (Ch.Links Verlag, Taschenbuchausgabe 2018 im Herder Verlag), 2019 veröffentlichte sie „Der Boden: Bedrohter Helfer gegen den Klimawandel“ (Ch.Links Verlag). Im November 2020 erhielt das Buch den Salus-Medien-Sonderpreis, mit dem das Unternehmen "herausragende journalistische Beiträge ... zu Gentechnik, Ökologie und Umwelt" auszeichnet.