Vor den Supermärkten, in den Gartenzentren, überall stehen sie derzeit hundertfach, kleine Töpfe mit Narzissen. Manche sehen aus wie Miniaturausgaben, andere kombinieren Weiß mit Orange, Gelb mit Orange oder Weiß mit Gelb wie auf dem Foto oben. Die Züchter denken sich immer wieder neue Varianten aus. Ich mag sie alle, aber ich liebe nur eine: Rip van Winkle heißt sie, eine historische Sorte, die Ende des 19. Jahrhunderts irgendwo in Irland entdeckt wurde.

Ihre dicht gefüllten Blüten stehen auf kurzen Stängeln. Mein gelber Wirbelwind wirkt ein bisschen wie aus der Zeit gefallen, die der Namensgeber Rip van Winkle. Rip ist der Titelheld einer amerikanischen Kurzgeschichte. Er schläft 20 Jahre lang, verpasst den Unabhängigkeitskrieg der Vereinigten Staaten und erwacht mit Zottelbart in einer völlig veränderten Welt – ein bisschen so wie meine gefüllten Narzissen. Als sie vor Jahrzehnten gepflanzt wurden, lag mein Garten in einem Dorf. Inzwischen wurde aus dem Dorf eine Stadt. Der Garten aber ist geblieben, fast unverändert und die Rip von Winkels blühen Jahr für Jahr.
