Das war dann wohl doch nicht so lecker wie erwartet. Heute Vormittag sah ich eine Wegschnecke in der Luft hängen. Sie war dabei, sich von einer Hibiskuspflanze abzuseilen. Vermutlich schmeckten ihr die Blätter nicht so, wie sie es erwartet hatte. Statt den trocknen Stamm der schon viele Jahr alten Pflanze wieder herab zu kriechen, produzierte sie einen Schleimfaden, um sich abzuseilen.

Die Nacktschnecke hängt an einem 30 Zentimeter langen Schleimfaden. Bis zum Boden ist es nochmal ebenso weit.

An dem Faden hing sie, drehte sich und sondierte in die Umgebung, wo sie wieder Boden unter ihrem schleimigen Fuß bekommen würde oder ob es besser sei, wieder nach oben zu kriechen. Ihr nackter Hochseilakt in der Morgensonne dauerte mehr als eine halbe Stunde.

Doch besser wieder nach oben? An einem dünnen durchscheinenden Schleimfaden hängend sondiert die Schnecke das Terrain.

Unten angekommen führte ihr erster Weg führt zu einem Wasserloch. In dem sammle ich den Regen vom Wintergartendach, um damit meine Blumen zu gießen. Eine Viertelstunde saß die Schnecke am Rand und trank. Nun ist sie weg, meine Blumen fressen.

Über die Autorin

Susanne Dohrn lebt als Autorin und freie Journalistin in einem alten Garten in Schleswig-Holstein. 2017 erschien ihr Buch „Das Ende der Natur: Die Landwirtschaft und das stille Sterben vor unserer Haustür“ (Ch.Links Verlag, Taschenbuchausgabe 2018 im Herder Verlag), 2019 veröffentlichte sie „Der Boden: Bedrohter Helfer gegen den Klimawandel“ (Ch.Links Verlag). Im November 2020 erhielt das Buch den Salus-Medien-Sonderpreis, mit dem das Unternehmen "herausragende journalistische Beiträge ... zu Gentechnik, Ökologie und Umwelt" auszeichnet.