Früher habe ich im Herbst alles Trockne von meinen Stauden abgeschnitten. Da waren die Wochen ab Ende September Stress. Wie wird das Wetter? Ist es am Wochenende trocken? Kann ich in den Garten? Das ist schon lange vorbei. Meine Pflanzen danken es mir bis ins Frühjahr hinein mit einer ungewöhnlichen Vielfalt an Formen, wie dem stacheligen Samenstand des Echten Alants (Inula helenium) auf dem Foto oben .Ab Juli blüht er mannshoch und ist eine Attraktion besonders für Hummeln.

Im Sommer Nahrung für Insekten, im Winter ihr Versteck: die Blüten des Alands.

Wer meint, „Stauden sind Blumen, die im Winter aus scheußlichem Gestrüpp bestehen oder gar nicht vorhanden sind“ (Karl Förster) sollte bei Raureif einen Blick auf sie Werfen. Das „scheußliche Gestrüpp“ wird dann zur stacheligen Schönheit.

Der Fruchtstand einer Herbstaster im Winterkleid: statt bunter Farben bizarre Formen.

Auch jetzt noch, zwischen all dem Frühlingsgrün und den Frühblühern, hat so manche vertrocknete Blüte ihren eigenen Reiz, z.B. die einer Hortensie. Die Blütenstände vom Vorjahr schneide ich erst im Mai ab, wenn die Planzen grün werden und es keinen Frost mehr gibt. Die meisten hat der Wind bis dahin ohnehin abgerupft und mir einen Teil der Arbeit erspart.

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Blick in das feine Netzwerk der Pflanzenadern: eine Hortensienblüte im schrägen Licht der Frühlingssonne.

Über die Autorin

Susanne Dohrn lebt als Autorin und freie Journalistin in einem alten Garten in Schleswig-Holstein. 2017 erschien ihr Buch „Das Ende der Natur: Die Landwirtschaft und das stille Sterben vor unserer Haustür“ (Ch.Links Verlag, Taschenbuchausgabe 2018 im Herder Verlag), 2019 veröffentlichte sie „Der Boden: Bedrohter Helfer gegen den Klimawandel“ (Ch.Links Verlag). Im November 2020 erhielt das Buch den Salus-Medien-Sonderpreis, mit dem das Unternehmen "herausragende journalistische Beiträge ... zu Gentechnik, Ökologie und Umwelt" auszeichnet.